Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo F-Dur KV 494 (1786/1788)
- Programmheftbeitrag zum Konzert (Projekttitel 'Musik und Architektur') des KlangForum Heidelberg im TANKTURM Heidelberg im Rahmen der Tage der Neuen Musik




"Als Architektur gesehen, wäre das musikalische Rondo
kein Rundbau, kein Rondell, sondern ein Rundgang
durch verschiedene Etagen mit demselben Grundriss.
Überraschende Passagen, Treppenhäuser und
Liftfahrten führen in immer neue Stockwerke,
Refrains genannt."


(Koch o. Köchel, Addenda)



Mozart, mit typischem Understatement, trug in sein eigenhändiges Werkverzeichnis unter den 10. Juni 1786 "Ein kleines Rondó für das klavier allein" ein. 1787 erschien der Erstdruck beim bedeutenden Boßler'schen Verlag in Speyer. Zusammen mit einem im "Jenner 1788" hinzukomponierten "Allegro und Andante für das Klavier allein" (später: KV 533) wurde das Rondo 1788 in Wien als Mozarts fünfzehnte Klaviersonate veröffentlicht.

Noch weniger "klein" wirkt das Rondo auch heute dank des quasi als Solokadenz-im-Solo eingefüften, demonstrativ vielstimmigen Fugatos. Mozart baute hier an, um sein eigentlich "ungekünsteltes" und "naives" Rondo (im Sinne des noch 1802 in H.C.Kochs Musikalischem Lexikon so beschriebenen Ideals) gleichsam architektonisch aufzuwerten: nur so passt es in den Kontext, ins bauliche Ensemble der beiden höchst avancierten Sonatensätze.

Doch auch allein überragt es als Turm die Klaviermusik von 1786.


© J. Marc Reichow 201602




J. Marc Reichow / retro . 2016 bzw. zurück